Der „digitale Waggon“: Die Aggregation von Daten über Position, Zustand und Belegung von Schienengüterwagen ermöglicht eine flexiblere Nutzung der Transportkapazität und erhöht so die Wettbewerbsfähigkeit. Auch Wartung und Instandhaltung lassen sich auf Basis von digitalen Informationen optimieren. So wird die Verfügbarkeit der mobilen Infrastruktur erhöht – damit mehr Güter auf der Schiene transportiert werden können.


Innovativer Kesselwagen

Kürzer und leiser

Entstanden ist der innovative Kesselwagen im Rahmen des Forschungsprojekts „Innovativer Güterwagen“ des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI). Ziel war es, den Schienengüterverkehr wirtschaftlicher, energieeffizienter und leiser zu machen. Vier verschiedene Wagenmodelle (neben dem Kesselwagen ein Autotransport-, BraCoil- und Containertragwagen) mit insgesamt 27 innovativen Komponenten hat die Arbeitsgemeinschaft aus der VTG und DB Cargo entwickelt und dem Praxistext unterzogen.

Der neue, universelle Kesselwagen ist mit 14,4 Metern ganze zwei Meter kürzer als das Referenzmodell. Doch sein Ladevolumen bleibt mit 77 cbm identisch. Ein kürzerer Kesselwagen bedeutet zusätzliche Wagen im Zugverband und damit effizientere Transporte.

Seine Innovationen im Überblick:

• Größerer Tankdurchmesser und neue Tankwerkstoffe sorgen für einen kürzeren Kesselwagen.

• Innovative Drehgestelle mit Scheibenbremse und radialer Einstellbarkeit der Räder wirken sich positiv auf Lärm, Energieverbrauch und Verschleiß aus.

• Telematiksysteme übermitteln jederzeit die Position des Wagens und erhöhen damit die Transparenz in der Lieferkette.

• Heizung und Isolierung ermöglichen den Transport temperatursensibler Chemieprodukte.

• Die automatische Pufferschmierung reduziert manuellen Aufwand bei der Wartung der Kesselwagen.


Concept Car

Technik zum Anfassen

Unser Concept Car vereint zahlreiche Innovationen an einem spannenden Ausstellungswagen. Wenn Sie mehr erfahren möchten, klicken Sie auf die Hotspots!

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1 CONTAINERTRAGWAGEN

Der Containertragwagen ist optimal auf die Bedürfnisse des kombinierten Verkehrs zugeschnitten und hat ein maximales Ladegewicht von 72 t. Damit eignet er sich sowohl für den Transport von 20’-Tank- und Schüttgutcontainern als auch von schweren 40’- und 45’-Containern sowie Wechselbehältern bis 7,15 m Länge.

2 DREHGESTELL MIT SCHEIBENBREMSE

Die VTG präsentiert auf der transport logistic ein Drehgestell mitbesonders leichter FreightFlexx-Bremsscheibe. Die langlebigen
Bremsbeläge empfehlen sich insbesondere für Güterwagen mithoher Laufleistung wie Intermodalwagen. Durch den Einsatz von
Gummifedern und die Beschichtung mit Relest Coating ist dasDrehgestell selbst für ohnehin geräuscharme Scheibenbremsen
besonders leise.

3 VTG CONNECTOR

Der VTG Connector befindet sich am Langträger des Wagens und kann unterschiedliche Daten ermitteln. Mithilfe unserer Dienstleistung VTG Connect machen wir diese Daten nutzbar. Als Basisfunktionen bieten wir Tracking & Tracing, Schocküberwachung und Umgebungstemperaturmessung.

4 ELEKTRISCHE BREMSANZEIGE MIT GPS

Die wichtigsten Daten zum Zustand der Bremse werden elektronisch überwacht, angezeigt und per Mobilfunk übertragen. Der Zustand der Bremse (aus, betriebsbereit und angelegt) wird angezeigt. Die Bremsklötze werden mit einem Verschleißsensor überwacht. Die Stellungen G und P sowie die Zustände leer, beladen oder überladen werden angezeigt. Die Kontrollgänge der Wagenmeister am Zug können von drei auf einen Durchgang reduziert werden. Die Informationen lassen sich jederzeit auch online abrufen.

5 SELBSTSCHMIERENDE PUFFER

Bei ständig gekuppelten Zügen gestaltet sich die Schmierung der Pufferteller schwierig. Um ein ansonsten unnötiges Abkuppeln nur zum Zweck der Schmierung zu vermeiden, zeigt die VTG den selbstschmierenden Puffer der Firma Faiveley. Eine Fettpatrone versorgt hier den Pufferteller über den Zeitraum eines Jahres kontinuierlich mit Fett.


Fasttrack

Car Sharing für die Schiene

Das Teilen von Verkehrsmitteln wie Autos oder Fahrräder erhöht die Flexibilität und sorgt dafür, dass Ressourcen effizienter genutzt werden. Dieses Prinzip realisiert die VTG mit ihrem Angebot FastTrack im Schienengüterverkehr. Es bringt die notwendige Flexibilität beim Containertransport aus Seehäfen zu Zielorten im europäischen Hinterland.

FastTrack hilft vor allem bei Auftragsspitzen sowie Ad-hoc-Verkehren, also Transporten, die bis dato meist über die Straße abgewickelt wurden. Die Kunden sehen über eine Online-Plattform Preise und zur Verfügung stehende Containertragwagen. Mit wenigen Klicks sind die Transportkapazitäten kurzfristig gebucht. Damit lässt sich die Schiene deutlich flexibler in eine Logistikkette einbinden. Die Containershuttle stehen seit 2018 in Hamburg und künftig auch in Rotterdam zum Abruf bereit. „Als größter Hafen Europas ist Rotterdam eine ebenso naheliegende wie attraktive Wahl für den Ausbau unseres Dienstes FastTrack“, begründet Marc Hunziker, Head of Sales Coordination Intermodal bei der VTG Rail Europe GmbH, die Entscheidung für den zweiten Standort. „An diesem trimodalen Umschlagplatz können wir einen wertvollen Beitrag zur Stärkung des kombinierten Verkehrs leisten und das Zusammenspiel der Verkehrsträger verbessern.“

Alle Containertragwagen, die über FastTrack gebucht werden, sind selbstverständlich mit dem Telematikmodul VTG Connector ausgestattet. So sehen Kunden mittels VTG Connect jederzeit die Position ihrer Container. VTG FastTrack entlastet die Straße, schont die Umwelt und verbessert die Hinterlandanbindung der genannten Häfen – ein bisher in Europa einmaliges Angebot.


eMaintenance365

Datenanalyse für voraus­schauende Instandhaltung

Das Rad läuft nicht mehr rund. Der harte schwedische Winter hat seine Spuren hinterlassen. Die Lauffläche des Rades hat sich ungleichmäßig abgenutzt, sodass das Gleis nicht mehr gleichmäßig belastet wird. Im Normalfall wären dieser Güterwagen und sein Radsatz erst in viereinhalb Monaten für eine Wartung in der Werkstatt vorgesehen. Doch bis dahin könnte aus den Abnutzungserscheinungen ein größerer Schaden werden – der im schlimmsten Fall zu einem Ausfall des Waggons führt.

„Wegen der fordernden Bedingungen in Schweden zeichnen sich derartige Schäden dort nur mit sehr geringem Vorlauf ab und können bei visuellen Kontrollen oft nicht erkannt werden. Mithilfe einer intelligenten Datenauswertung können wir den Wagen rechtzeitig in die Werkstatt schicken“, sagt Dr. Niko Davids, Chief Digital Officer bei der VTG. Dazu arbeitet die VTG mit dem schwedischen Start-up eMaintenance365 zusammen und wertet die Daten aus, die der staatliche Infrastrukturbetreiber Trafikverket per Sensoren an verschiedenen Messpunkten an Gleisen im ganzen Land erhebt. Wie funktioniert das? Ein Rad mit schadhafter Lauffläche übt ungleichmäßigen Druck auf die Schiene aus. Über die gemessene Radkraft lassen sich Rückschlüsse auf den Zustand der Räder ziehen. Die Datenanalyse liefert den Blick in die Zukunft: Auf Basis der Informationen können Radsätze rechtzeitig ausgewechselt werden, zudem optimiert die Auswertung die Einsatzplanung in den Werkstätten und die Ersatzteilbestellung.

Ein großer Vorteil, denn unerwartete Ausfälle von Waggons führen zu Verzögerungen und fehlenden Kapazitäten für Kunden. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern auch kostspielig. Je flexibler und vorausschauender die Schienengüterwagen gewartet werden, desto besser. Das Ziel ist für Dr. Niko Davids klar: „Langfristig wollen wir unsere gesamte Flotte vorausschauend instand halten und Arbeiten dann durchführen, wenn es sinnvoll ist – und nicht, weil ein bestimmter Zeitraum abgelaufen ist.“


Mobiler Service

Reparieren an Ort und Stelle

An einem Kesselwagen ist unerwartet eine Tragfeder gebrochen – und mit dem defekten Teil am Drehgestell darf er nicht weiterfahren. Eine Aufgabe für das Waggonwerk Brühl, ein Tochterunternehmen der VTG, und dessen mobilen Service.

Der Schaden passierte in der Nähe von Hamburg, von wo aus sich zwei Mitarbeiter mit ihrem voll ausgestatteten Servicefahrzeug auf den Weg machen. „Mit unseren rollenden Werkstätten können wir schnell reagieren und kleinere Instandsetzungsarbeiten direkt vor Ort erledigen“, sagt Florian Steinbock, Leiter Mobiler Service beim Waggonwerk Brühl. Der mobile Service verkürzt Standzeiten und minimiert Überführungskosten bei defekten Waggons – und macht den Schienengüterverkehr so schneller, effizienter und wirtschaftlicher.

Mobiler Service

Zum Leistungsspektrum der mobilen Einheiten gehören der Austausch von Untergestell-Komponenten, Armaturen und Sicherheitseinrichtungen. Die Fachleute reparieren Bremsen, Dreh- und Untergestelle, Entleer- und Befülleinrichtungen sowie Isolierungen. Auch Beschriftungen oder Entfernungen von Graffitis werden vor Ort durchgeführt. Unter bestimmten Voraussetzungen können sogar Radsätze und Puffer ausgetauscht werden.

Waggonwerk Brühl

Das Waggonwerk Brühl blickt auf eine über einhundertjährige Geschichte bei der Reparatur und Instandhaltung von Eisenbahnwaggons zurück. Heute durchlaufen rund 3.000 bis 4.000 Waggons pro Jahr die 17.000 qm großen Werkshallen und die 14 km Gleisanlagen. Den Mobilen Service mit eigenem Fahrzeug bieten neben dem Stammwerk Wesseling auch die Standorte Syke, Schwarzheide, Alstätte, Lutherstadt Wittenberg, Vacha, Eberswalde und Hamburg an.

Die Tragfeder beim defekten Kesselwagen konnten die Mitarbeiter vom Waggonwerk Brühl übrigens innerhalb von zwei Stunden austauschen und den Wagen so direkt wieder einsatzfähig machen.


Unser Digitalisierungs-Fahrplan

Die Schiene wird digital

Die VTG ist Vorreiter auf dem Weg zum digitalen Schienengüterverkehr: Dafür stehen die Ausrüstung unserer gesamten Wagenflotte mit Telematiksystemen und zahlreiche digitale Einzellösungen. Auch in Zukunft bringen wir die Schiene mit smarten Lösungen weiter voran.

Das Potenzial, den Schienengüterverkehr durch Digitalisierung nachhaltig schneller, flexibler und effizienter zu gestalten und die Wettbewerbsfähigkeit des Verkehrsträgers damit langfristig zu steigern, ist enorm.

Dr. Niko Davids
Chief Digital Officer bei der VTG
Fleet Table

Per Finger-Tipp zum Wunschwaggon

Die Digitalisierung der Logistikprozesse liefert immer mehr Daten. Doch nur wenn diese Informationen anschaulich aufbereitet sind, können Mitarbeiter sie für ihre Aufgaben nutzen. Wie das aussehen kann, zeigt der VTG Fleet Table, der in Echtzeit Positionen und Eigenschaften von Güterwagen darstellt.

Ein Mitarbeiter tippt auf einen Güterwagen, der sich in der Nähe von München befindet. Auf dem berührungsempfindlichen Monitor öffnet sich ein Informationskasten. Der Wagen ist aktuell unvermietet. Das trifft sich gut, denn ein Kunde in Italien benötigt möglichst schnell 22 LPG-Wagen mit einem Volumen von 120 Kubikmetern und einer Radsatzlast von 90 Tonnen. Vermietet werden sollen die Wagen für sechs Monate. Es kommen also nur solche Kesselwagen in Betracht, die noch mindestens ein halbes Jahr revisionsfrei sind. Mithilfe des VTG Fleet Table, einem Touchscreen mit einer Diagonale von 140 Zentimetern (55 Zoll), haben die VTG-Mitarbeiter in der Sales-Koordination die infrage kommenden Wagen nach nur wenigen Finger-Tipps auf dem Display.

Die Europa-Karte zeigt sämtliche Positionen aller VTG-Waggons, die mit einem VTG Connector ausgestattet sind, und kombiniert sie mit weiteren relevanten Eigenschaften der Wagen. Dank verschiedener Filter lassen sich nur die Wagen der Flotte anzeigen, die bestimmten Parametern entsprechen. So sieht der Mitarbeiter im aktuellen Fall, welche LPG-Wagen den geforderten Kriterien entsprechen und verfügbar sind. 35 Wagen der Flotte kommen für die Anfrage aus Italien infrage. Dank der übersichtlichen Kartendarstellung können diejenigen mit der kürzesten Überführungszeit auswählt werden. Der Fleet Table ermöglicht es der VTG, schneller auf Mietanfragen zu reagieren, und erhöht damit die Effizienz im Schienengüterverkehr.


Schienenlogistik

Wir vernetzen Europa

Retrack ist das VTG-eigene Logistiknetzwerk, das die wichtigsten europäischen Wirtschaftszentren miteinander verbindet. Für unterschiedlichste Warengruppen bieten wir unter Berücksichtigung aller Kostenfaktoren die optimale Logistiklösung. Dies erreichen wir durch die intelligente Verknüpfung aller Optionen, die im Streckennetz des vorgegebenen Güterverkehrskorridors zur Verfügung stehen.